Vorschau

bis 28. März 2021

Tabakrausch an der Elbe. Geschichten zwischen Orient und  Okzident Tobacco Frenzy on the Elbe. Stories between the Orient and Occident. Special exhibition with companion catalogue

Zum Begleitband

Zwei Bilder nebeneinander: Links ein Reklameplakat für "Graf Schuwalow Cigaretten". Eine Frau im blauen Kleid sitzt entspannt in einem Sessel und raucht eine Zigarette. Daneben eine Fotografie aus der Siedlung der Tabakgegner in Dresden. Eine Gruppe aus 13 Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern sitzt im Grünen und hält Schilder in den Händen. Darauf sind Sprüche gegen Tabak- und Alkoholkonsum zu lesen.

Abb. 1: Reklameplakat der Zigarettenfabrik „Xanthi“, Chromolithografie, um 1905, Entwurf: F. Walther Scholz (1861-1910), Druck: Chromolithografische Anstalt vorm. Bäcker & Co., Stadtmuseum Dresden, SMD_SP_1981_06073. Abb. 2: Aufnahme aus der Siedlung der Tabakgegner in Dresden (Leubnitzer Höhe), frühe 1920er Jahre, Privatbesitz, Dresden.

Westlich der Dresdner Altstadt, deren Silhouette durch die Türme von Frauenkirche, Rathaus und Schloss dominiert wird, reckt sich ein moscheeartiges Gebäude mit Türmchen in den Himmel, die Minaretten ähneln: die frühere Zigarettenfabrik Yenidze, das spätere Tabakkontor Dresden. Der zur Zeit der Errichtung hochumstrittene, mittlerweile als Attraktion geltende Reklamebau verweist auf die mit der Orientzigarette verbundene Bedeutung Dresdens als Tabakhauptstadt Deutschlands.

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum Dresden 2020 richtet, ausgehend von der Aneignung des Kolonialprodukts Tabak in Europa, ihren Blick auf das industriell gefertigte Massenkonsumgut Zigarette. Hierbei finden globale Netzwerke wie regionale Zurichtungen, technische Innovationen und Highlights der Produktwerbung Berücksichtigung. Raum finden ebenso die Bestrebungen der im Industrieland Sachsen frühzeitig entstandenen Lebensreformbewegung inklusive der Tabakgegner, die am Anfang eines Kulturwandels in der Gesellschaft stehen, der bis in die Gegenwart führt.

Die Exposition wird 2021 auch im Industriemuseum Chemnitz – dem Kooperationspartner – gezeigt werden, wobei regionale Besonderheiten in Technik, Reklame und Konsum Berücksichtigung finden.

Zigarettenschachtel der Marke „Jubilar“.

Zigarettenschachtel der Marke „Jubilar“, Aufgelegt zum 750jährigen Stadtjubiläum von Dresden 1956, Stadtmuseum Dresden, SMD_SD_2015_00299


Kunstinstallation „Salem Aleikum Dresden – der Nachhall des sogenannten Orients“ am Landhaus in Dresden

Seit Mitte Dezember leuchtet an der Fluchttreppe des Landhauses eine LED-Installation. Drei große Leuchtschriften sprechen dort - auch auf arabisch - zueinander, was hat das zu bedeuten? Das Landhaus ist ein Ort, an dem Geschichte auf Kunst trifft und seit ein paar Wochen trifft dort mit der Ausstellung „Tabakrausch an der Elbe“ ebenfalls der Orient auf den Okzident. Dieser westöstliche Begegnungsbereich ist dynamisch und sowohl von Stereotypen, hegemonialen Verzerrungen und Machtungleichheiten aber auch fruchtbaren Wirtschaftsbeziehungen und kulturellen Anregungen geprägt. Eine unübersehbare Projektionsfläche dieses nie geradlinigen Dialogs ist die Yenidze in Dresden. Der gewiefte Fabrikant Hugo Zietz beauftragte 1907 den Architekten Martin Hammitzsch (1878-1945) mit dem Bau einer Tabakfabrik, die einen orientalischen Palast in Ägypten nachempfunden ist. Der eigentliche Mehrwert der orientalistischen Erscheinung des Gebäudes war jedoch deren Werbewirkung. Durch die ungewöhnliche Architektur und die beleuchtete Kuppel war die Yenidze Tag und Nacht überdeutlich wahrnehmbar. Beim Anblick ruft sie bis heute Assoziationen und Imaginationen hervor, die den westlichen Blick auf die „Anderswelt Orient“ bis heute prägen: Islam, Exotik, Wüsten und Palmen, Genuss, Luxus, Erotik und unbekannte Welten weit im Osten verborgen. Das Künstlerinnenkollektiv „Abteilung für liegengebliebene Angelegenheiten“ greift die ehemalige Leuchtschrift auf dem Dach des Gebäudes auf. Mit ihrer Installation am Fluchttreppenhaus des Landhauses eröffnet sie einen Assoziationsraum um die heutige Deutung des Schriftzuges und setzt sich mit den eigenen Bildern des sogenannten Orients auseinander.

LED-Installation an der Fluchttreppe des Landhauses


bis 28. März 2021

Vom Verschwinden der Fabrik. Spurensuche in der früheren Tabakmetropole Dresden

Im frühen 20. Jahrhundert war Dresden das Zentrum des Orienttabakhandels in Europa und der Hauptort der deutschen Zigarettenindustrie. Die Mehrzahl der Fabriken und die Interessenvertretungen der Branche waren in der Stadt ansässig. Dresden war aber auch der Gründungsort des Bundes deutscher Tabakgegner und der Ort bahnbrechender Entdeckungen zu den Wirkungen des Tabakkonsums auf den menschlichen Organismus. Die kleine Ausstellung zeigt historische Ansichten auf Postkarten und Fotografien aus der Gegenwart von Franz Zadniček, über welche die vergangenen und gegenwärtigen Spuren der Dresdner Tabak-Geschichte sichtbar werden.

Fesntergitter mit Weintrauben, Tabakblättern, einem Spaten und einem Weinfass.

Fenstergitter am Ostflügel des Neuen Rathauses in Dresden, Entwurf: Fritz Mönkemeyer, 1962 - 1965, Franz Zadniček, 2020



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