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Mi / 16. Sep
19:00
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Fokus Olga Martynova IILyrik

»Such nach dem Namen des Windes«

Die Dresdner Stadtschreiberin Olga Martynova ist ein Phänomen. Sie schreibt Romane, Gedichte, Essays, Rezensionen, ist als Übersetzerin und Herausgeberin tätig. Und sie setzt in allen Bereichen hohe Standards.

Ihre Romane »Sogar Papageien überleben uns« (2010, für den Deutschen Buchpreis nominiert), »Mörikes Schlüsselbein« (2013, Auszug: Ingeborg-Bachmann-Preis 2012, für den ganzen Roman: Berliner Literaturpreis 2015) und »Der Engelherd« (2016, u. a. gewürdigt mit dem Rompreis Villa Massimo) sind literarische Erlebniswelten, die jeden Leser, der zu diesen Romanen greift, beglücken werden.

Als Bestandteil der Veranstaltungsreihe »Fokus Olga Martynova« wird die Autorin ihren Gedichtband »Such nach dem Namen des Windes« (Peter-Huchel-Preis 2025) näher vorstellen.

Der Band beschwört mit einer sanften und zugleich erregenden Sprache noch einmal den Verlust ihres Mannes (Oleg Jurjew starb 2018), der aus nahezu jedem Gedicht spricht. Aufregend und zuweilen spöttisch ist die Abwehr des Todes und der Geister der Unterwelt, denen sie in Traum und Tagtraum begegnet. 

Olga Martynova versucht, Abstand zu gewinnen. Sie steigt mit Dante und Vergil in die Unterwelt hinab, spürt dem Mythos von Orpheus und Eurydike nach, besucht Kabbalisten in Jerusalem. Um Abstand zu gewinnen spürt sie in Zwiesprache mit Friedrich Hölderlin und Paul Celan dem Verlorenen nach (»Celan hat im Hölderlingarten gepflückt, aus dem Rosennichts die Niemandsrose gezüchtet«). 

»Vu nemt men a bisele Glik«, das Eröffnungsgedicht, zeichnet wie eine Ouvertüre die Linien des Bandes vor. Das Gedicht geht in Zwiesprache mit Friedrich Hölderlins Gedicht »Hälfte des Lebens« und spricht zugleich das jüdische Schicksal und Repliken von Jean Amery und Oleg Jurjew an. 

Im zweiten der sieben Kapitel – »La Speranza« (Hoffnung) – taucht erstmals die Elster (Speranza) auf, im Weiteren kluge Begleiterin und mahnendes Korrektiv der Dichterin: »Trunken von Nüchternheit sind die Menschen können weder klar denken noch wirklich fühlen, sagt die Elster.« 

Im vierten Kapitel werden Geschichten vom Tod heraufbeschworen: »Tolstois Tod«, »Pasolinis Tod«, auch Kleists Selbstmord am Wannsee. Das alles immer im Zwiegespräch mit Oleg Jurjew. 

Im fünften Kapitel – »Der Tod scheidet nicht, aber das Leben« – erfolgt die Anrufung des Geliebten in Reihungen: »Wir waren einander Mond und Sterne, Wein und Brot, Erde und Feuer, Wasser und Luft, Minuten und Zifferblatt, Regen und Wurm, Fliegen und Frösche, Krähe und Aug …«

Wer bei all dem denkt, dass der Band schwer zu lesen ist, kann beruhigt werden. Martynovas Gedichte finden eine ruhige, zarte Sprache und sprechen mit einprägsamen Bildern und Metaphern.

  • Moderation: Volker Sielaff
Do / 1. Okt
19:00
KI generiert: Das Bild zeigt eine lächelnde Frau, die eine weiße Säule umarmt. Im Hintergrund sind reich verzierte Wände mit Mustermotiven zu sehen.
Über das Ankommen: »Was es bei einem Picknick mit Deutschen zu beachten gilt«

Lesung mit Gundula Brunner, den ABC-Tischen und dem Internationalen Schreibcafé

Viele Menschen fragen sich derzeit, welchen Wert der Zusammenhalt in Deutschland hat. Wie wird Zugehörigkeit und Teilhabe ermöglicht - welchen Beitrag leisten Einzelne dafür? Ein Perspektivwechsel raus aus den eigenen Erfahrungswelten bietet mögliche Antworten auf diese Fragen.

Mit dem Buch »Was es bei einem Picknick mit Deutschen zu beachten gilt« eröffnet die Autorin Gundula Brunner verschiedene Sichtweisen: In den Jahren 2023/24 hat sie ehemalige Mandantinnen und Mandanten aufgesucht und mit ihnen lange Gespräche geführt, in denen sie über ihre Lebenswege, Erfahrungen, Gedanken, Sehnsüchte und ihr Verhältnis zur deutschen Gesellschaft erzählen.

Es sind 13 ganz persönliche, berührende Geschichten über das Ankommen von Migrant*innen in Deutschland, vor allem deren Erfahrungen in und mit ihrer neuen Gesellschaft. Insofern sind die Erzählungen ein Schlüssel für die hier Geborenen, über sich selbst  und »unsere« Gesellschaft nachzudenken.

Einen weiteren Blickwechsel bieten die an diesem Abend vorgetragenen und mehrsprachig präsentierten Texte des Internationalen Schreibcafés vom Familienleben e. V. und der ABC-Tische des Umweltzentrums Dresden e.V. Mit Tiefgang und Augenzwinkern gehen sie der Frage nach, was das Ankommen in Dresden für Einzelne bedeutet. 

Mit einem kleinen Imbiss und Gesprächen feiern wir Zusammenhalt und Teilhabe unserer Projekte.

Gundula Brunner wurde 1970 in Dresden geboren. Sie absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung, studierte im Anschluss Kunstgeschichte und Rechtswissenschaften in Mainz und Modena. Es folgten Auslandsaufenthalte in Rom und San Francisco. Seit 2001 arbeitet sie als selbständige Rechtsanwältin vorwiegend für Migrationsrecht in Dresden.

  • Kooperationspartner: Museen der Stadt Dresden, ABC-Tische des Umweltzentrums Dresden e. V. und das Internationale Schreibcafé des Familienleben e. V.
Do / 8. Okt
19:00
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Nietzsche global. In 80 Übermenschen um die Welt

Lesung und Diskussion mit Professor Elmar Schenkel

Kein anderer Philosoph scheint eine so große Anziehungskraft zu haben wie Friedrich Nietzsche. Der ganze Globus hat sich an ihm abgearbeitet: Künstlerinnen wie Poeten, Politiker, Philosophinnen oder Popstars. Elmar Schenkel begibt sich auf Spurensuche der Nietzsches, die in den letzten 150 Jahren in vielen Kulturen der Welt entstanden sind – und erfährt viel über Menschen und Gesellschaften.

Evangelische Erwachsenenbildung Dresden, Evangelische Akademie Sachsen in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden

  • Moderation: Dr. Panja Lange
  • Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €
Do / 15. Okt
19:00
KI generiert: Das Bild zeigt eine Frau mit lockigem Haar und einem Haarband, die auf einem Stuhl sitzt. Im Hintergrund ist ein buntes, detailreiches Kunstwerk zu sehen.
Dorothea Grünzweig

kein schaukeln mehr in der dunkelheitswiege

Dorothea Grünzweigs neuer Band »Erfasst von dieser Nachtverwandlung« führt ihre poetische Erkundung der finnischen Landschaften und Jahreszeiten eindrucksvoll fort. Ausgangspunkt ist Kaamos, die sonnenlose Winterzeit des Nordens – ein Zustand zwischen Dunkelheit, Stille und innerer Weitung. Grünzweigs Gedichte kreisen suchend und tastend um dieses Geheimnis, ohne sich je zu erschöpfen. Ihre Sprache wird vielfältiger, zugleich exemplarischer.

Grünzweigs poetische Kraft entsteht aus einer Sprache, die ohne modische Neologismen auskommt und dennoch neu wirkt. Ihre Wortschöpfungen – »dunkelheitswiege«, »lauschschleier«, »grasvergnügte kühe« – scheinen aus einem uralten Naturkosmos zu stammen. Ihre Metaphern sind nie konstruiert, sondern aus Erfahrung gewonnen: Die Gedichte stehen in einem tiefen Einverständnis mit der Natur, ohne sie zu mystifizieren. Grünzweig schreibt als Fragende, nicht als Wissende; ihre Suche nach einer »heiligen Sprache« ist Ausdruck von Nähe, nicht von Ritual.

Die freie Rhythmik ihrer Gedichte ist erfühlt, nicht erdacht. Alliterationen, Binnenreime und Anspielungen – auf Bibel, Kirchenlied, Rilke – fügen sich organisch ein und öffnen die Texte in größere Zusammenhänge. Themen des Bandes reichen von der Bewahrung der Schöpfung über die existenzielle Stimmung während einer Pandemie bis hin zur realen Sorge vor einem Krieg in Finnland. Andere Gedichte widmen sich dem Tierwohl, etwa in den »kuhlobliedern«, die die Nähe zwischen Mensch und Tier neu ausloten.

Wer sich auf Grünzweigs Gedichte einlässt, begegnet einer Sprache, die sich aus der Natur heraus erneuert – weit, innerlich, hellhörig. Eine Poesie, die uns wieder in die Welt zurückführt.

  • Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €

Literarische Arena e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Sachsen und den Museen der Stadt Dresden.

Do / 22. Okt
19:00
KI generiert: Das Bild zeigt eine ältere Frau mit grauem Haar und Brille, die an einem Tisch sitzt und offenbar an einer Veranstaltung oder Diskussion teilnimmt. Sie spricht in ein Mikrofon, während eine Pflanze im Hintergrund zu sehen ist.
Zsuzsanna Gahse

Spielbeginn. Verrutschungen

Zsuzsanna Gahse zählt zu den markantesten Stimmen der literarischen Avantgarde. Ihre Texte bewegen sich zwischen Lyrik und Prosa, sind leicht, fragmentarisch, dialogisch – und stets von einer besonderen Sprachprägnanz. In Dresden ist sie seit ihrer Chamisso-Poetikdozentur 2008 immer wieder präsent.

Ihr neues Buch »Spielbeginn. Verrutschungen« entfaltet sich wie ein Theaterstück: Figuren warten – wie bei Beckett – und sprechen über Sinn, Sprache und Verwandlung. Doch Gahse zeigt die Gegenbewegung zum Verstummen: Aus Tönen entstehen Silben, Worte, Sätze, Zusammenhänge. Sprache wird zum Experimentierfeld. »Erzählinseln« und »Störe« strukturieren den Text, kurze Einsprengsel, die ganze Geschichten anstoßen können.

Auf der Bühne agieren »Die Grünen«, zehn nummerierte Figuren, die improvisierend Gedanken austauschen. Antons verlorenes Notizbuch bildet den zweiten Teil des Buches und gibt Einblick in die geplante Dramaturgie: Sprache als Pilzgeflecht, Gespräche in Stille, Missverständnisse durch »Verrutschungen«.

Wer sich auf »Spielbeginn« einlässt, begegnet dem Abenteuer der Sprache selbst: der Möglichkeit, aus Hörerlebnissen eine neue Sprache zu erfinden. 

Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €

Literarische Arena e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Sachsen und den Museen der Stadt Dresden.