
Roter Pfeffer für den Yeti
Undine Materni und Volker Sielaff in Lesung und Gespräch
Undine Maternis neue Gedichte, im Gans Verlag unter dem Titel »Manchmal ist es gut an roten Pfeffer zu denken«, erzählen von Handwerkerinnen und ihrem Tun, ihrer Inspiration, ihrem Verhältnis zu den Dingen, die sie bewahren, verändern oder neu schaffen.
»Ein zauberhaftes Buch, das Frauen im Handwerk feiert«, heißt es über dieses, mit wundervollen Collagen von Ruth Habermehl ausgestattete besondere Buch.
Undine Materni, Jahrgang 1963, ist Lyrikerin, Literaturkritikerin und Lektorin und lebt in Dresden. Zahlreiche Erzählungs- und Gedichtbände.
Volker Sielaffs neuer Gedichtband »Fragen an den Yeti«, erschienen im Verlag Voland & Quist / Edition Azur, spannt wieder einen weiten Bogen: von der Kindheit in der Lausitz bis in die Straßen von London. Wir begegnen Sylvia Plath, dem Vogelmann und einer anonymen jungen Künstlerin.
Die SZ schrieb über dieses Buch voller Begeisterung: »VolkerSielaff ist in seinem neuen Band so sehtüchtig, farbsüchtig und normflüchtig wie noch nie.«
Volker Sielaff, Jahrgang 1966, Lyriker, Prosaautor und Publizist, lebt in Dresden. Zahlreiche Gedichtbände, ein Prosabuch
- Moderation: Richard Stratenschulte

Lea Schneider und Insa Wilke
Zwei Literatinnen, zwei Horizonte, ein Gespräch »zwischen Generationen«
Mit dem diesjährigen Thema »Zwischen Generationen« erkunden die Literarischen Alphabete vielfältige Fragen der Beziehung zwischen Generationen. Sie fragen nach generationellen Situationen, die sich nicht nur auf das eigene Lebensalter sondern auch auf Ungleichzeitigkeiten zwischen Regionen und Staaten beziehen können. Es geht um den Umgang mit den literarischen Äußerungen der oder des jeweils anderen und um die Möglichkeiten einander zuzuhören.
Mit Lea Schneider und Insa Wilke sprechen zwei Frauen über Autonomie und Anteilnahme in Literatur und Literaturkritik, über Schreiben und Gelesen-Werden sowie den Umgang mit Freiheit und der Notwendigkeit, sich verletzbar zu halten. Auch über das neue Buch von Lea Schneider, das im Herbst erscheinen wird, »Von Tieren und anderen Menschen«, wollen wir reden.
Insa Wilke ist Autorin, Literaturkritikerin, Kulturmanagerin, Herausgeberin. Sie wurde in Bremerhaven geboren, studierte Germanistik und Geschichte. 2010 erschien ihr Buch »Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch«. Als Literaturkritikerin veröffentlicht Insa Wilke u.a. in der Süddeutschen Zeitung und im Rundfunk. Für diese Arbeit wurde sie 2014 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. Sie konzipiert und moderiert darüber hinaus Kulturveranstaltungen und wirkte bzw. wirkt als Jurorin z.B. für den Preis der Leipziger Buchmesse oder die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. 2016 hat sie die Programmleitung des Mannheimer Literaturfestes »lesen.hören« von Roger Willemsen übernommen, dessen Nachlass sie verwaltet.
Lea Schneider, Jahrgang 1989, ist Essayistin, Lyrikerin, Übersetzerin und manchmal, wie sie sagt, auch Literaturkritikerin. Sie studierte u.a. Soziologie, Linguistik und Sinologie. Ihre Publikationen umfassen neben wissenschaftlichen Werken und literarischen Texten Übersetzungen aus dem Chinesischen sowie Herausgeberschaften zu Lyrik zeitgenössischer chinesischer Autorinnen und Autoren. Ihr derzeitiges Nachdenken gilt der Aufmerksamkeit für die mehr-als-menschliche Welt und der sinnlichen Wahrnehmung als politischer Praxis. Sie erhielt zahlreiche Anerkennungen für ihre literarische Arbeit, so 2014 den Dresdner Lyrikpreis für ihren Debütband »Invasion Rückwärts«. Weitere Bücher sind u.a. der Essay »Scham«, der Lyrikband »made in china« sowie der Band »Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik«, den sie als Übersetzerin und Herausgeberin betreute.
Über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des eigenen Denkens und Handelns aus der eigenen Biografie und geografischen Zeiteinheit heraus spricht Diana Hellwig an dem Abend mit den beiden Gästen.
- Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €
Literaturforum Dresden e. V. in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Gefördert von der Landeshauptstadt Dresden.

Kateřina Tučková – »Weißwasser« / »Bílá voda«
Ein halb verfallenes barockes Kloster direkt an der polnischen Grenze, in einem der entlegensten Winkel Tschechiens. Dort internierte der sozialistische Machtapparat von 1950 bis 1989 Angehörige von Frauenorden aus der ganzen Republik, während deren Heimatklöster aufgelöst wurden. Zeitweise lebten bis zu 400 Nonnen gleichzeitig in diesem sogenannten »Wartesaal des Himmels«. Verachtet von der sozialistischen Gesellschaft mussten die Ordensfrauen Zwangsarbeit verrichten, unter widrigsten Bedingungen, oft von vermeintlichen Helfern bespitzelt. Ziel war die Ausrottung des Christentums im Land. Dennoch: Statt sich dem Druck zu beugen, verteidigten die Frauen ihren Glauben nur noch fester. Sie rückten als Gemeinschaft im Geiste zusammen und schafften es, auch in größter Not und unter schlimmsten Repressalien den Grundsatz der Nächstenliebe zu verfolgen.
»Bílá voda« ist nicht nur die Geschichte einer für die sozialistischen Staaten beispiellosen Säuberung, sondern auch der fiktiven jungen Ordensfrau Evarista, die zur katholischen Priesterin geweiht wird und als solche praktiziert, bis sie der Papst nach der Samtenen Revolution exkommuniziert. Erzählt wird die Geschichte in der Gegenwart aus Sicht der Journalistin Lena Lagnerová, die aufgrund psychischer Probleme den Rückzugsort für gefallene Frauen in der Abgeschiedenheit aufsucht und nach und nach die Geschichten der Vergangenheit ans Licht bringt. Zehn Jahre hat die Schriftstellerin Kateřina Tučková in Archiven recherchiert und unzählige Originaldokumente gesichtet, die zum Teil unverändert in den Roman eingeflossen sind.
»Bílá voda« ist ein Roman über die – selbst im ehemaligen Ostblock – beispiellose Unterdrückung von Ordensleuten während des Sozialismus. Gleichzeitig thematisiert der Roman die Rolle der Frau in der katholischen Kirche und ist damit ein sehr aktuelles Werk.
Für dieses Buch wurde Kateřina Tučková mit dem Staatspreis für Literatur der Tschechischen Republik ausgezeichnet. Vorliegende Übersetzung ist ein Auszug aus dem Roman, der noch nicht auf Deutsch erschienen ist.
Kateřina Tučková, geboren 1980 in Brno, zählt zu den populärsten und auflagenstärksten Autorinnen und Autoren in Tschechien.
Sie ist Prosaautorin, Dramatikerin, Publizistin, promovierte Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin. An der Masaryk-Universität in Brno studierte sie Bohemistik und Kunstgeschichte. In ihren Romanen erzählt sie fiktive Geschichten, die von akribisch recherchierten, realen Fakten inspiriert sind. Sie erhielt den Josef-Škvorecký-Preis, den Preis für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte des Instituts für das Studium totalitärer Regime sowie die Preise Magnesia Litera und Tschechischer Bestseller. Ihre Bücher sind in zwanzig Sprachen übersetzt.
Die Autorin wird das Buch im Gespräch mit der Moderatorin Šárka Atzenbeck vorstellen. Die Übersetzerin Martina Lisa wird dolmetschen und die Auszüge auf Deutsch lesen.
- Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €

Nietzsche global. In 80 Übermenschen um die Welt
Lesung und Diskussion mit Professor Elmar Schenkel
Kein anderer Philosoph scheint eine so große Anziehungskraft zu haben wie Friedrich Nietzsche. Der ganze Globus hat sich an ihm abgearbeitet: Künstlerinnen wie Poeten, Politiker, Philosophinnen oder Popstars. Elmar Schenkel begibt sich auf Spurensuche der Nietzsches, die in den letzten 150 Jahren in vielen Kulturen der Welt entstanden sind – und erfährt viel über Menschen und Gesellschaften.
Evangelische Erwachsenenbildung Dresden, Evangelische Akademie Sachsen in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden
- Moderation: Dr. Panja Lange
- Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €

Dorothea Grünzweig
kein schaukeln mehr in der dunkelheitswiege
Dorothea Grünzweigs neuer Band »Erfasst von dieser Nachtverwandlung« führt ihre poetische Erkundung der finnischen Landschaften und Jahreszeiten eindrucksvoll fort. Ausgangspunkt ist Kaamos, die sonnenlose Winterzeit des Nordens – ein Zustand zwischen Dunkelheit, Stille und innerer Weitung. Grünzweigs Gedichte kreisen suchend und tastend um dieses Geheimnis, ohne sich je zu erschöpfen. Ihre Sprache wird vielfältiger, zugleich exemplarischer.
Grünzweigs poetische Kraft entsteht aus einer Sprache, die ohne modische Neologismen auskommt und dennoch neu wirkt. Ihre Wortschöpfungen – »dunkelheitswiege«, »lauschschleier«, »grasvergnügte kühe« – scheinen aus einem uralten Naturkosmos zu stammen. Ihre Metaphern sind nie konstruiert, sondern aus Erfahrung gewonnen: Die Gedichte stehen in einem tiefen Einverständnis mit der Natur, ohne sie zu mystifizieren. Grünzweig schreibt als Fragende, nicht als Wissende; ihre Suche nach einer »heiligen Sprache« ist Ausdruck von Nähe, nicht von Ritual.
Die freie Rhythmik ihrer Gedichte ist erfühlt, nicht erdacht. Alliterationen, Binnenreime und Anspielungen – auf Bibel, Kirchenlied, Rilke – fügen sich organisch ein und öffnen die Texte in größere Zusammenhänge. Themen des Bandes reichen von der Bewahrung der Schöpfung über die existenzielle Stimmung während einer Pandemie bis hin zur realen Sorge vor einem Krieg in Finnland. Andere Gedichte widmen sich dem Tierwohl, etwa in den »kuhlobliedern«, die die Nähe zwischen Mensch und Tier neu ausloten.
Wer sich auf Grünzweigs Gedichte einlässt, begegnet einer Sprache, die sich aus der Natur heraus erneuert – weit, innerlich, hellhörig. Eine Poesie, die uns wieder in die Welt zurückführt.
- Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €
Literarische Arena e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Sachsen und den Museen der Stadt Dresden.

Zsuzsanna Gahse
Spielbeginn. Verrutschungen
Zsuzsanna Gahse zählt zu den markantesten Stimmen der literarischen Avantgarde. Ihre Texte bewegen sich zwischen Lyrik und Prosa, sind leicht, fragmentarisch, dialogisch – und stets von einer besonderen Sprachprägnanz. In Dresden ist sie seit ihrer Chamisso-Poetikdozentur 2008 immer wieder präsent.
Ihr neues Buch »Spielbeginn. Verrutschungen« entfaltet sich wie ein Theaterstück: Figuren warten – wie bei Beckett – und sprechen über Sinn, Sprache und Verwandlung. Doch Gahse zeigt die Gegenbewegung zum Verstummen: Aus Tönen entstehen Silben, Worte, Sätze, Zusammenhänge. Sprache wird zum Experimentierfeld. »Erzählinseln« und »Störe« strukturieren den Text, kurze Einsprengsel, die ganze Geschichten anstoßen können.
Auf der Bühne agieren »Die Grünen«, zehn nummerierte Figuren, die improvisierend Gedanken austauschen. Antons verlorenes Notizbuch bildet den zweiten Teil des Buches und gibt Einblick in die geplante Dramaturgie: Sprache als Pilzgeflecht, Gespräche in Stille, Missverständnisse durch »Verrutschungen«.
Wer sich auf »Spielbeginn« einlässt, begegnet dem Abenteuer der Sprache selbst: der Möglichkeit, aus Hörerlebnissen eine neue Sprache zu erfinden.
Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €
Literarische Arena e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Sachsen und den Museen der Stadt Dresden.