
Nancy Hünger
»Wir drehen dem Meer unsere Rücken zu«
Er – ein Fluchttier, immer auf dem Sprung, getrieben von einer Angst, die er nicht zugeben kann. Sie – auf der Suche nach Geborgenheit, nach Zugehörigkeit, nach einem Gegenüber, das bleibt. Zwei Menschen, die sich berühren, verhaken, verlieren – und nicht voneinander lassen. Auf einer kanarischen Insel, der erbarmungslosen Sonne ausgesetzt, reiben sie sich aneinander ab. Diese Liebe ist eine Entscheidung. Ein Trotzdem. Ein Jetzt erst recht. Doch wie viel Reibung hält Nähe aus? Und wie entkommen wir den Mustern, die tief in der Haut sitzen: der Härte, die von Männern erwartet wird, der Anpassung, die Frauen gelernt haben?
Nancy Hünger schreibt über Scham und Stolz, Entfremdung und Anziehung. Über das Unmögliche und das Trotzdem.
»Ein außerordentliches Buch, und dabei so selbstverständlich in allem, dass man gar nicht merkt, wie literarisch es ist. Es lebt von seiner Unerschrockenheit und Rückhaltlosigkeit.« — Ingo Schulze
- Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €
Eine Kooperation der Literarischen Arena e.V., der Evangelischen Akademie Sachsen und der Museen der Stadt Dresden.
Die Veranstaltung wird gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden.

Buchpremiere Wolfram Nagel
Jonathans Verwandlung oder Кто создаст нового человека? (Wer schafft den neuen Menschen?)
Jonathan Kaminsky ist Bauingenieur, arbeitet als Bauleiter im Wohnungsbaukombinat Dresden. Durch seine Freundin lernt er Künstler kennen, die ihn überreden, für sie Modell zu stehen. Sie wollen eine Skulptur des Neuen Menschen für die nächste große DDR-Kunstausstellung schaffen. Am Ende steht er als Säulenheiliger des Sozialismus vor dem Museum. Aus dieser Perspektive erzählt er seine Geschichten von der frommen Oma, dem russisch sprechenden Großvater, dem gewalttätigen Vater, einem Lehrer und Parteisekretär, über den erzwungenen Umzug vom Dorf in die Vorstadt von Berlin.
Wolfram Nagel, 1955 in einem Dorf in Südthüringen geboren, hat ein Leben geführt, das Stoff für mehrere Romane bieten könnte: Vom Baufacharbeiter zum Bauingenieur, vom Soldaten der NVA zum Studenten am Literaturinstitut »Johannes R. Becher«, vom jungen Familienvater im alternativen Künstlerprojekt eines leerstehenden Schlosses bis hin zur Arbeit als freier Autor für Radio DDR, den MDR und den Deutschlandfunk.
Sein Roman schöpft aus diesen Erfahrungen. Er erzählt von Herkunft und Veränderung, von Enge und Weite, von der Suche nach einem eigenen Weg in einem Staat, der individuelle Lebensentwürfe oft nur am Rand duldete. Nagel verbindet Beobachtungsschärfe mit poetischer Imagination und schafft so ein literarisches Bild der DDR, das zugleich persönlich und universell wirkt.
Wir laden herzlich ein zu einer Buchpremiere, die nicht nur den ersten Roman des Autors vorstellt, sondern auch einen Autor, der seit Jahrzehnten mit feinem Gespür gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet.
Das Buch bildet eine imaginäre Verbindung zur Sonderausstellung des Stadtmuseums über den Plattenbau.
- Moderation: Richard Stratenschulte

Joachim Sartorius und Tom Schulz in Lesung und Gespräch
Zwei Dichter, zwei Generationen – Literarische Alphabete
Im Jahr 2026 stehen die »Literarischen Alphabete« erstmals unter einem Motto: »Zwischen Generationen«. Der Titel ist Programm. Denn wir wollen fragen: Wie ist es um das Verhältnis zwischen den Generationen bestellt? Kooperieren sie, gehen sie einander aus dem Weg? Welche Probleme gibt es? Existiert ein fruchtbarer Austausch, auch im künstlerisch-literarischen? Wenn nicht, wie könnte der aussehen? Was muss sich ändern? Was können wir tun? Lesen jüngere ältere und ältere jüngere Autoren? Wie groß ist das Interesse am Werk des jeweils anderen?
Den Auftakt machen zwei, die in ihrer Generation jeweils zu den Namhaftesten gehören: Joachim Sartorius und Tom Schulz. Beide gingen und gehen auch geografisch über Grenzen. Denn beide leben wechselweise in Italien und Deutschland. Beide übersetzen. Schreiben. Reisen.
- Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €

Roter Pfeffer für den Yeti
Undine Materni und Volker Sielaff in Lesung und Gespräch
Undine Maternis neue Gedichte, im Gans Verlag unter dem Titel »Manchmal ist es gut an roten Pfeffer zu denken«, erzählen von Handwerkerinnen und ihrem Tun, ihrer Inspiration, ihrem Verhältnis zu den Dingen, die sie bewahren, verändern oder neu schaffen.
»Ein zauberhaftes Buch, das Frauen im Handwerk feiert«, heißt es über dieses, mit wundervollen Collagen von Ruth Habermehl ausgestattete besondere Buch.
Undine Materni, Jahrgang 1963, ist Lyrikerin, Literaturkritikerin und Lektorin und lebt in Dresden. Zahlreiche Erzählungs- und Gedichtbände.
Volker Sielaffs neuer Gedichtband »Fragen an den Yeti«, erschienen im Verlag Voland & Quist / Edition Azur, spannt wieder einen weiten Bogen: von der Kindheit in der Lausitz bis in die Straßen von London. Wir begegnen Sylvia Plath, dem Vogelmann und einer anonymen jungen Künstlerin.
Die SZ schrieb über dieses Buch voller Begeisterung: »VolkerSielaff ist in seinem neuen Band so sehtüchtig, farbsüchtig und normflüchtig wie noch nie.«
Volker Sielaff, Jahrgang 1966, Lyriker, Prosaautor und Publizist, lebt in Dresden. Zahlreiche Gedichtbände, ein Prosabuch
- Moderation: Richard Stratenschulte

Kateřina Tučková – »Weißwasser« / »Bílá voda«
Ein halb verfallenes barockes Kloster direkt an der polnischen Grenze, in einem der entlegensten Winkel Tschechiens. Dort internierte der sozialistische Machtapparat von 1950 bis 1989 Angehörige von Frauenorden aus der ganzen Republik, während deren Heimatklöster aufgelöst wurden. Zeitweise lebten bis zu 400 Nonnen gleichzeitig in diesem sogenannten »Wartesaal des Himmels«. Verachtet von der sozialistischen Gesellschaft mussten die Ordensfrauen Zwangsarbeit verrichten, unter widrigsten Bedingungen, oft von vermeintlichen Helfern bespitzelt. Ziel war die Ausrottung des Christentums im Land. Dennoch: Statt sich dem Druck zu beugen, verteidigten die Frauen ihren Glauben nur noch fester. Sie rückten als Gemeinschaft im Geiste zusammen und schafften es, auch in größter Not und unter schlimmsten Repressalien den Grundsatz der Nächstenliebe zu verfolgen.
»Bílá voda« ist nicht nur die Geschichte einer für die sozialistischen Staaten beispiellosen Säuberung, sondern auch der fiktiven jungen Ordensfrau Evarista, die zur katholischen Priesterin geweiht wird und als solche praktiziert, bis sie der Papst nach der Samtenen Revolution exkommuniziert. Erzählt wird die Geschichte in der Gegenwart aus Sicht der Journalistin Lena Lagnerová, die aufgrund psychischer Probleme den Rückzugsort für gefallene Frauen in der Abgeschiedenheit aufsucht und nach und nach die Geschichten der Vergangenheit ans Licht bringt. Zehn Jahre hat die Schriftstellerin Kateřina Tučková in Archiven recherchiert und unzählige Originaldokumente gesichtet, die zum Teil unverändert in den Roman eingeflossen sind.
»Bílá voda« ist ein Roman über die – selbst im ehemaligen Ostblock – beispiellose Unterdrückung von Ordensleuten während des Sozialismus. Gleichzeitig thematisiert der Roman die Rolle der Frau in der katholischen Kirche und ist damit ein sehr aktuelles Werk.
Für dieses Buch wurde Kateřina Tučková mit dem Staatspreis für Literatur der Tschechischen Republik ausgezeichnet. Vorliegende Übersetzung ist ein Auszug aus dem Roman, der noch nicht auf Deutsch erschienen ist.
Kateřina Tučková, geboren 1980 in Brno, zählt zu den populärsten und auflagenstärksten Autorinnen und Autoren in Tschechien.
Sie ist Prosaautorin, Dramatikerin, Publizistin, promovierte Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin. An der Masaryk-Universität in Brno studierte sie Bohemistik und Kunstgeschichte. In ihren Romanen erzählt sie fiktive Geschichten, die von akribisch recherchierten, realen Fakten inspiriert sind. Sie erhielt den Josef-Škvorecký-Preis, den Preis für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte des Instituts für das Studium totalitärer Regime sowie die Preise Magnesia Litera und Tschechischer Bestseller. Ihre Bücher sind in zwanzig Sprachen übersetzt.
Die Autorin wird das Buch im Gespräch mit der Moderatorin Šárka Atzenbeck vorstellen. Die Übersetzerin Martina Lisa wird dolmetschen und die Auszüge auf Deutsch lesen.
- Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €

Nietzsche global. In 80 Übermenschen um die Welt
Lesung und Diskussion mit Professor Elmar Schenkel
Kein anderer Philosoph scheint eine so große Anziehungskraft zu haben wie Friedrich Nietzsche. Der ganze Globus hat sich an ihm abgearbeitet: Künstlerinnen wie Poeten, Politiker, Philosophinnen oder Popstars. Elmar Schenkel begibt sich auf Spurensuche der Nietzsches, die in den letzten 150 Jahren in vielen Kulturen der Welt entstanden sind – und erfährt viel über Menschen und Gesellschaften.
Evangelische Erwachsenenbildung Dresden, Evangelische Akademie Sachsen in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden
- Moderation: Dr. Panja Lange
- Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €